Wie
bitte?

ZUG4NG​L1CH 1ST N1CHT D4SS3​LB3 W13 3RR31​CHB4R. W3R 4LL3 3RR31&​CH3N W1LL, MU$$ 4UCH 4LL3 M1T​D3NK3N.

ZUGÄNG​LICH IST NICHT DASS​ELBE WIE ERREI​CHBAR. WER ALLE ERREI​CHEN WILL, MUSS AUCH ALLE MIT​DENKEN.

ACCESS DENIED.

W1r könn3n 3rst4unl1ch v13l l3s3n, 4uch w3nn 31nz3ln3 Buchst4b3n f3hl3n. Un$3r G3h1rn 3rg4nzt, w45 f3hlt, 1gn0r13rt F3hl3r und m4cht 4u$ 3in3m z13ml1ch3n Durchein4nd3r 3tw4s, d4s $1nn 3rg1bt.

Wir können erstaunlich viel lesen, auch wenn einzelne Buchstaben fehlen. Unser Gehirn ergänzt, was fehlt, ignoriert Fehler und macht aus einem ziemlichen Durcheinander etwas, das Sinn ergibt.

D4$ g3ht $0 l4ng3 gut, b1$ 4u$ d3m L3$3n 3in 3nt$chlüs$3ln w1rd.

Das geht so lange gut, bis aus dem Lesen ein Entschlüsseln wird.

W4nn d4$ p4$$13rt, 1$t b31 j3d3m 4nd3r$. Und m4nchm4l l13gt 35 n1cht 4n d3n Z31ch3n, $0nd3rn 4n d3n 4ug3n. 4n d3n H4nd3n. 4n d3n 0hr3n. 4n d3r T3chn1k. 0d3r 31nf4ch d4r4n, d4$$ j3m4nd b31m G3$t4lt3n n1cht d4r4n g3d4cht h4t.

Wann das passiert, ist bei jedem anders. Und manchmal liegt es nicht an den Zeichen, sondern an den Augen. An den Händen. An den Ohren. An der Technik. Oder einfach daran, dass jemand beim Gestalten nicht daran gedacht hat.

STILL WITH US?

Gut. Noch.

Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen den Zugang zu Informationen schwer zu machen. Die meisten sehen gar nicht wie Barrieren aus. Manche sind sogar ziemlich schön: ein feiner Grauton, eine elegante kleine Schrift, ein zurückhaltender Button oder eine Information, die sich ganz selbstverständlich durch Rot und Grün unterscheidet. Solange man sie unterscheiden kann.

Das Tückische an schlechter Lesbarkeit ist, dass sie selten an einem bestimmten Punkt beginnt. Der Text ist ja noch da und man kann ihn noch lesen. Man muss sich nur etwas mehr konzentrieren. Irgendwann wird aus Lesen Arbeit.

Zwischen lesbar und nicht lesbar liegt ein erstaunlich großer Bereich. Er heißt: anstrengend.

Barrierefreiheit ist ein ziemlich technisches Wort für eine ziemlich menschliche Idee: Jemand möchte irgendwohin. Und wir sollten ihm nicht im Weg stehen. In der digitalen Welt gibt es dafür inzwischen eine ganze Reihe technischer Antworten. Screenreader und Tastaturnavigation gehören dazu, Alternativtexte, Untertitel, ausreichende Kontraste, verständliche Formulare und Inhalte, die auch bei starker Vergrößerung noch funktionieren. Es gibt Richtlinien, Prüfkriterien und Gesetze. Gut so.

Also machen wir jetzt alles größer?
Manchmal.

Aber Barrierefreiheit ist kein Designstil und keine Bedienungsanleitungs-Ästhetik. Sie verlangt gute Entscheidungen: Was ist wichtig? Was gehört zusammen? Was muss erkennbar und bedienbar sein? Wo braucht es eine Alternative?

Das sind keine neuen Fragen an Gestaltung. Es sind alte Fragen, die genauer gestellt werden.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Das ist ein weiteres Teil des Problems.

<img
src=“bild.jpg“
alt=“Sonnenlicht fällt durch eine verglaste Bürotrennwand. Im Vordergrund rahmen dunkle Tischbeine den Blick auf den hellen Boden.“
>

<img
src=“bild.jpg“
alt=“Blick in das Besprechungszimmer der Werbeagentur together concept. Schlichte Möbel und reduzierte Farben prägen das Designkonzept der Agenturräume.“
>

Selbst ein reduziertes Bild kann sehr viele Informationen enthalten. Ein guter Alternativtext versucht deshalb nicht, sie alle aufzuzählen. Er muss entscheiden, welche davon in diesem Zusammenhang wichtig sind. Dasselbe Bild kann an zwei Stellen zwei unterschiedliche Alternativtexte brauchen – nicht weil einer davon falsch wäre, sondern weil sich der Kontext verändert.

Spätestens hier wird Barrierefreiheit von einer technischen auch zu einer redaktionellen Aufgabe. Man kann vieles prüfen und automatisieren. Die Entscheidung, was eine Information für einen anderen Menschen bedeutet, gehört nur bedingt dazu.

Zugänglich ist nicht dasselbe wie erreichbar.

Das beschäftigt uns schon ziemlich lange. Auf vielen Ebenen.

Wir haben komplizierte Technik sichtbar gemacht, Steinkohle für Zehnjährige erklärt, Menschen Zukunftstechnologien selbst ausprobieren lassen und Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch gebracht. Und heute sorgen wir dafür, dass digitale Kommunikation auch von Menschen benutzt werden kann, die anders sehen, hören, lesen oder navigieren.

Eigentlich kein besonders großer gedanklicher Sprung. Nur ein konsequenter.

Denn eine wissenschaftlich korrekte Information kann unzugänglich sein, weil niemand sie versteht. Eine Technologie kann unzugänglich bleiben, bis man sie selbst erlebt. Eine Institution kann alle Informationen veröffentlichen und trotzdem niemanden erreichen.

Zugang ist deshalb nicht nur eine Frage der Technik oder Gestaltung. Manchmal ist es eine Frage der Sprache. Der Vermittlung. Des richtigen Mediums. Oder der Bereitschaft, auf eine Frage einzugehen, die man selbst nicht vorhergesehen hat.

Vielleicht haben wir deshalb schon ziemlich lange an Barrierefreiheit gearbeitet, ohne sie so zu nennen. Bei der Neuentwicklung mehrerer digitaler Angebote für eine öffentliche Institution bekommt der Begriff für uns gerade eine sehr konkrete Bedeutung.

Barrierefreiheit steckt dort nicht nur im Code, sondern in Struktur, Design, Texten, Bildern, Dokumenten, Videos und schließlich in den Redaktionsprozessen selbst. Denn eine barrierefreie Website kann man bauen. Die interessantere Frage ist, ob sie es bleibt, wenn morgen, nächsten Monat und in drei Jahren neue Inhalte hinzukommen.

Und wahrscheinlich werden wir auch in ein paar Jahren manches anders machen als heute. Neue Geräte werden kommen, neue Gewohnheiten, neue technische Möglichkeiten. Vermutlich werden wir über manche Lösung, die uns heute ziemlich clever erscheint, irgendwann den Kopf schütteln. Das gehört dazu.

Vielleicht besteht die größere Aufgabe gar nicht darin, möglichst viele Türen zu öffnen. Sondern immer wieder herauszufinden, wo eigentlich noch eine im Weg steht.